Regensburger Rationale


Das Regensburger
Rationale, ein doppeltes, Brust und Rücken bedeckendes
Gewandstück, das im Mittelalter dem Bischof als päpstliche
Auszeichnung vorbehalten war, stammt aus dem 1. Viertel des
14. Jahrhunderts. Die Gold- und Silberstickerei war mit kleinen,
spitz zulaufenden Metallglöckchen aus vergoldetem Silber
behängt, von denen heute aber nur noch drei erhalten sind.
Die prächtige Stickerei, die das Rationale als Meisterwerk
gotischer Textilkunst ausweist, zeigt ikonographisch figürliche
Darstellungen, die sich auf die Herkunft und den Sinn des Rationale
beziehen.
Vorbild für das Rationale
war die Schulterbekleidung des alttestamentlichen Hohenpriesters.
Allmählich entwickelte sich aus dem Brustschild des Mittelalters
das Pektorale, der bischöfliche Brustschmuck, für
den sich die bis heute übliche Form des Brustkreuzes durchgesetzt
hat.
Aus einer Notiz von 1507 geht
hervor, dass das Rationale in Regensburg nur bei feierlichen
Anlässen angelegt wurde. Etwa um 1600 wurde eine sorgfältige
Kopie angelegt, die aus dem Nachlass des Kardinals Franz Wilhelm
von Wartenberg ins Bayerische Nationalmuseum München gelangte.
Anscheinend wurde das Rationale im 17. Jahrhundert in Regensburg
noch benutzt.
Auf der Rückseite des
Rationale ist das Jüngste Gericht dargestellt, wie es dem
Evangelisten Johannes in seiner apokalyptischen Vision erschienen
war. Die Mitte oben beherrscht die Figur Christi, der als Weltenrichter
auf dem Regenbogen thront. Darunter erscheint in einem kreisförmigen
Medaillon das apokalyptische Lamm mit der Kreuzfahne. Rechts
schwebt die Figur des Erzengels Michael. Eingerahmt wird das
Medaillon von den Symbolen der vier Evangelisten. Auf der Vorderseite
des Rationale wird in einer Allegorie die Beziehung von Christus
zu Maria, zur Kirche und zu den Menschen dargestellt.
Als Stifter wird heute
König Ludwig der Bayer angenommen. Damit hätte seine
Schenkung an Bischof Nikolaus von Ybbs aber auch einen politischen
Hintergrund. Wenn ein deutscher König ein vom Papst als
Privileg verliehenes Gewand für den Bischof anfertigen
ließ, würde dies zur Kirchenpolitik Ludwigs passen,
der nachdrücklich verkündete, dass seine Königsmacht
ihm von Gott verliehen sei und dass kein Papst ihm deshalb Vorschriften
machen dürfe.
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