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© Annette Zappe

Ein ausdrucksstark verwitterter Eichenbalken eines Brückensteges, dessen Bohlen erneuert
wurden, schwebt waagrecht im Raum. Für die zwei weit außen stehenden Personen wird der
Eichenbalken zur Brücke, die zum anderen führt.
Zwei Figuren aus Bronze stehen sich in großem Abstand gegenüber. Tiefe Einkerbungen im
Rücken der beiden lassen spüren, dass grobe Verletzungen bis in die Tiefe des Körpers und der
Seele reichen. Die große Distanz zeigt, dass hier ein tiefes Zerwürfnis, eine unversöhnliche
Trennung besteht.
Die Skulptur stellt die Frage, was die Bedingung der Möglichkeit für Versöhnung und Frieden
zwischen zwei Menschen ist. Wie kann zwischen Menschen oder gegensätzlichen Positionen
eine Brücke geschlagen werden? Wie ist wirklicher Frieden möglich?
Ein Mensch kann sich - theologisch gesehen - nur mit einem anderen versöhnen, wenn er mit
sich selbst versöhnt ist. Dazu braucht es aber etwas, was größer ist als der Mensch, jemanden
außerhalb seiner selbst, der ihn sieht und ihm die Vergebung seiner Schuld zuspricht. Die
Gesamtform der Skulptur als großes Taukreuz deutet auf den christlichen
Versöhnungsgedanken.
Zudem ist dieses Größere in der Skulptur angedeutet durch einen dünnen, gebogenen Metallstab, der beide Figuren auf Brusthöhe durchdringt, den Abstand überbrückt und sie verbindet. Der Stab symbolisiert eine „Energiebrücke“, eine „Strahlungsbrücke“, über die die Zu- oder Abneigungen, hin- und herströmen. Mit dem gebogenen Stab als Chiffre für eine „Brücke der Versöhnung“ wird sichtbar gemacht, dass zwischen Mensch und Mensch unsichtbare Energien hin- und herfließen.
Der verbindende Stab ist nicht mehr der „Richterstab“ in der Hand, mit dem der jeweils andere ins Gericht genommen wird. Nicht mehr das Beharren auf dem eigenen Begriff von Gerechtigkeit. Stattdessen symbolsiert der Stab einen Weg, um mit dem anderen in Kontakt zu treten und sich miteinander zu versöhnen. - Wobei Versöhnung im einzelnen durchaus auch schmerzhaft sein kann, da beide Seiten auf ihre Selbstgerechtigkeit verzichten müssen.
Angerührt von diesem Zeichen der Versöhnung wagen die Personen einen Schritt aufeinander zu. Die einladende Geste des einen motiviert den anderen, sich ebenfalls zu bewegen. Es geht darum, offen zu werden für das Anliegen und die Sichtweise des jeweils Anderen. Es spannt sich ein Bogen vom einen zum anderen und damit die Möglichkeit, den erlittenen Schmerz zu vergessen, sich wechselseitig Vertrauen entgegenzubringen, dem anderen zu vergeben und das Herz wie ein leeres Blatt Papier neu beschreiben zu lassen. Dieses „leere Blatt“ als Symbol der Aufarbeitung des Alten und als Raum für das Neue ist auf Brusthöhe der kleinen Bronzefiguren angedeutet.

48 x 110 x 5 cm, Höhe incl. Stele 170 cm
Bronze, Eiche-Altholz
2025
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